GST032 – Mit Thomas Käsbohrer unterwegs im Mittelmeer

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GST032 – Mit Thomas Käsbohrer unterwegs im Mittelmeer

Auf der Hanseboot konnten wir Thomas treffen! Im ICE nach Hamburg hatte Eric dessen Buch „Ein Sommer lang Sizilien“ fertig gelesen.

Im Dreiergespräch erzählt Thomas, wie er zum Segeln kam und was ihn bis heute dabei tief bewegt.

Thomas ist gelernter Historiker und Germanist. Diese Ausbildung und die daraus resultierenden Perspektiven mündeten in der Verlagsbranche.

Als Verleger kommt man aber nicht zum Schreiben. Das war das Manko.

Trotzdem arbeitet er bereits 28 Jahre mit Spaß in diesem Beruf.

1998 das erste mal beim Segeln in Marmaris. Stand als ahnungsloses Kielschwein am Vorstag. Plötzlich entfuhr ihm ein Schrei. In diesem Moment wusste er: „Das will ich mal machen!“

Das Segel-Feuer war sofort entfacht. Er begann sofort mit der Recherche und der Planung, wie eine seglerische Zukunft nun zu realisieren sei und nahm sich vor: „Wenn das Leben es irgendwann hergibt, dann will ich ein halbes Jahr pro Jahr segeln gehen!“

Zunächst absolvierte er alle Scheine, die er machen konnte:

SBF, SKS, SSS und den SRC

Nachdem er dann 2014 unerwartet  aus seiner Anstellung bei einem Münchener Verlag gekündigt wurde, stand er da. Mit zwei Plastiktüten als Ergebnis der letzten 22 Jahre Verlagsarbeit. Der Beginn eines Umdenkprozess, der darin mündete, dass er nun endlich seinen Traum wahr machte und ein halbes Jahr segeln ging. Der erste Törn führte ihn auf seiner Dehler 31 von Isola nach Antalya. Unterwegs stattete er sein Schiff noch mit einem Bimini aus, genoss aber ansonsten die Einfachheit dieses gut einhand zu segelnden Schiffs.

Die gründliche Vorbereitung über viele Jahre erlaubte ihm, sich bei diesem Törn ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Angesichts der jüngsten Ereignisse stellte er sich so die Frage: „Will ich weiter segeln gehen oder will ich zurück in den Beruf?“ Und sobald diese Frage in seinem Kopf aufblitzte, verbat er sich im selben Moment, jetzt daran zu denken. Er wollte diese Frage nach dem Törn bearbeiten und den Törn ohne schlechte und störende Gedanken genießen.

Das konsequente Ausklammern der berufliche Sorgen und Fragen schuf Raum in Thomas‘ Kopf für neue Themen. Dinge, die früher einmal wichtig waren und die durch die großen Fragen des Lebens eines Mitteleuropäers in den Hintergrund gedrängt wurden kamen jetzt wieder zum Vorschein.

Historisches Mittelmeer

Die Erforschung der Herkunft unserer Zivilisation beschäftigte Thomas schon früh. Hier im Mittelmeer und auf seiner Reise fand er die historischen Zeugnisse großer Denker und Herrscher.

Das halbe Jahr der absoluten Freiheit klingt noch heute in Thomas nach.

Zunächst nur um mit Zuhause und mit seiner Frau seine Erlebnisse zu teilen, schuf er einen Blog, in dem er Fotos und Erlebnisse seiner Reise zu sich selbst veröffentlichte. Eines Tages sprach seine Berufskollegin Susanne in auf seine Texte und Bilder an: „Sag mal, seit wann kannst Du denn so gut schreiben?“.

Thomas wies das ernstgemeinte Kompliment zunächst zurück, denn für ihn war zu dieser Zeit das Schreiben und der Blog nur Mittel zum Zweck.

Zurück in Deutschland stellte er sich eines Tages im Gespräch mit Susanne die Frage: „Was machen wir denn jetzt mit dem angebrochenen Nachmittag (unseres Lebens)?“. Kurzerhand beschlossen die beiden:

Dann machen wir halt einen Verlag auf!

Einmal München - Antalya, bitte.

Thomas’s erstes Buch

Es entstand sein erstes Buch: „Einmal München – Antalya bitte!“

Viele Kontakte aus den vergangenen Jahren, ein wachsendes Netzwerk und nicht zuletzt viel Arbeit führten zu einem Verlagsunternehmen, das sich auf Segler und Langfahrer eingespielt hat. Berühmte Größen aus der Langfahrer-Szene finden sich heute im Programm des Millemari-Verlags.

Zurück

Ein Sommer lang Sizilien

Eine Reise rund um die italienische Insel im Mittelmeer


Ein halbes Jahr Segeln lässt den Kopf weit werden. Mach Platz für neue Gedanken. Alte Gedanken drängen sich auf und wollen zu Ende gedacht werden. Ein halbes Jahr verbringt Thomas seitdem mindestens auf See.

Und danach kommt er wieder nach Hause. Zurück zu seiner Frau. Zurück in eine andere Welt, von der er ganz bewusst Abstand bekommen hat. Und die ihm vom Cockpit aus oft so fremd vorkommt.

„Es dauert dann immer schon eine Zeit, bis wir uns wieder zusammen raufen.“, gibt Thomas zu, „Es gibt Beziehungen, die funktionieren nur, wenn beide 24/7 zusammen sind. Und es gibt Beziehungen, die funktionieren genau anders herum. Da existiert etwas anderes, das immer wieder zum Vorschein kommt, wenn man heimkehrt.“

„Einer geht raus. Der andere bleibt. Und wer zurück bleibt, hat’s immer schwerer.“, und so finden die beiden mit gemeinsamen Leidenschaften zur Zweisamkeit: Kunst, Ausstellungsbesuche und viele Riten des Alltags heben das Paar wieder auf eine Ebene der Gemeinsamkeit und Zweisamkeit.

Die sechs Wochen Jahresurlaub verbringt Thomas’s Frau dann auch gemeinsam mit ihm auf dem Schiff. Ihre Idee war es auch, von der kleinen Dehler nun auf eine Sunbeam mit 37 Fuß umzusteigen.

Andere Reviere?

Thomas denkt kurz nach. „Entgegen dem modernen Italienischen Bootsfahrer, der gerne mal den Gashebel auf den Tisch legt, habe ich während eines Aufenthalts in Norwegen die große Verbundenheit der Einheimischen mit dem Meer und dem Segeln kennen gelernt.“, erzählt er, „Das hat mir imponiert!“. In Trondheim segelt man das ganze Jahr, in Italien nur im August!

Vier Punkte sind mir in einem Segelrevier wichtig:

  • Historie
  • sehr gut Essen und sehr gut Trinken
  • das ganz besonders leuchtende Blau des Wassers
  • die Landschaft

„Trotzdem zieht mich nichts aus dem Mittelmeer heraus. Ich habe hier alles, was ich möchte.“, sinniert der Autor, „Ich wüsste im Moment kein Revier, das diese vier Kategorien so zur Deckung bringt, wie das Mittelmeer.“

Trotz seiner Begrenztheit verkörpert das Mittelmeer gleichzeitig große Weite:

  • 24 Länder grenzen an das Mittelmeer.
  • In diesen Ländern leben 500 Millionen Menschen.
  • An der Küste des Mittelmeers leben 100 Millionen Menschen.
  • Die haben drei Weltreligionen.
  • Es ist wahnsinnig klein: es passt 3 mal in die Fläche der USA.
  • Trotzdem ist es ein Ballungsraum, in dem alles entstanden ist, was für unsere Kultur prägend ist.

Es war zum letzten mal in der Zeit der Römer unter einer Sprache, unter einer Münze und unter einem Gesetz. Es ist nie mehr gelungen, das noch einmal so zusammen zu führen.

Was muss Dich auf dem Boot immer begleiten?

Zwei hölzerne Wäscheklammern! Wofür? Eine Wäscheklammer ist ein Multitool!

  • sie besteht aus zwei Holzkeilen, die man mit einem kurzen Handgriff von ihrer Klammer befreien kann.
  • mit einem Messer kann man daraus schnell einen Splint oder einen Dorn anfertigen.
  • meine beiden Wäscheklammern an der Reling sind auch meine Begleiter, die mir in brenzligen Situationen wie zwei Freunde Mut verleihen. Einfach, weil sie da sind.

Aus welchem Fehler hast Du beim Segeln nachhaltig gelernt?

Resultierend aus einer zu spät erkannten Dieselpest sprang bei 30 Knoten Wind der Motor nicht mehr an und wir mussten vor der kroatischen Küste auf sehr engem Raum ein Ankermanöver fahren. Nachdem wir den Anker ausgebracht hatten, bemerkten wir, dass das Boot trotzdem nicht aufstoppen wollte. Der Wind drehte an dieser Stelle vor einem Küstenvorsprung und wir befanden uns in einem Windloch. In meiner Verzweiflung versuchte ich den eigentlich funktionslosen Motor noch einmal anzuwerfen und tatsächlich sprang er an! Er lief genau eine Minute und brachte uns die nötigen zwanzig Meter von dieser Stelle weg und wir konnten den Anker einfahren.

Ein Tipp für unsere Hörer?

Ganz einfach und spontan: Machen!

Wenn man von etwas träumt, dann muss man es machen! Es muss nicht sofort sein, doch ein Traum will gelebt werden. Machen. Umsetzen. Erleben, was im Kopf ist! Das gibt einem viel, viel Kraft!

Wo kann man mehr von Dir lesen?

Meinen Blog findet man unter marepiu.blogspot.de Hier gibt’s alle Infos, auch über Livetermine, Lesungen und meine gesammelten Segelerlebnisse.

By | 2017-12-13T09:27:27+00:00 November 24th, 2017|Allgemein, Interview, Segeltalk|2 Comments

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2 Comments

  1. Holger 8. Dezember 2017 at 16:54 - Reply

    Erst einmal danke für das Interview. Es war interessant zu hören. Darf ich zwei Dinge technischer Natur ansprechen?
    1. Hintergrundmusik bei deinen Vorworten finde ich persönlich nicht so schön
    2. Mono fände ich für diese Art von Audio besser, es ist ja keine Musik und in Kopfhörern nervt das doch etwas

    • Eric 10. Dezember 2017 at 7:05 - Reply

      Hallo Holger!
      Danke für die Tipps!
      Die Hintergrundmusik in der Anmoderation wurde mir von einer Tontechnikerin als Mittel der Akzentuierung empfohlen. Das hat sich bisher eigentlich ganz gut bewährt.
      Ich habe in der Tat schon darüber nachgedacht, den Podcast in Mono umzuwandeln. Es wahrscheinlich wirklich einfacher zu hören.
      Werde ich beim nächsten mal ausprobieren!

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