Vor einigen Wochen riefen wir Dich und alle Leser dieses Blogs auf, uns auf der Suche nach dem Katamaran für unsere große Reise zu unterstützen.
Wir hatten da für einen Katamaran und gegen einen Monohull tendiert!
Jetzt kommt es doch anders!

Nach unserem Aufruf erreichten uns einige Zuschriften, die uns sowohl mit Booten als auch mit Expertenratschlägen sehr gut weiter geholfen haben. Danke dafür! Wir haben tolle Leser.

Einige Vorschläge. Aber irgendwie…

So viele Katamarane im Hafen sieht man auf der Katamaran Messe in Frankreich

So viele Katamarane im Hafen sieht man auf der Katamaran Messe in Frankreich

Da gab es zum Beispiel einen liebevoll gewarteten Katamaran in den sein Eigner bereits viele Arbeitsstunden gesteckt hatte. Sowohl das Deck als auch die GFK-Außenhaut hatte er bereits komplett entschichtet und neu lackiert oder anderweitig aufbereitet. Den hätten wir direkt kaufen können und er hätte sogar in unser Budget gepasst. Seine Architektur entsprach leider überhaupt nicht unseren (vielleicht etwas idealisierten) Vorstellungen. So mussten wir dieses Angebot ablehnen.

Einige ehemalige Charterkats wurden uns vorgeschlagen, die mit ihren Eignern im Mittelmeer oder auch in der Karibik unterwegs waren. Hier ergab sich dieses Bild: Die Anschaffung ginge gerade so, aber was dann?

 

Um eine solche Yacht fit für die Langfahrt zu machen, bedarf es einiger Veränderungen:

  • Kommunikation

    • Eine Blauwasser-Yacht braucht etwas mehr als das normale Funkgerät: Entweder sollte ein Iridium-Telefon an Bord sein, oder noch universeller: eine Kurzwellen-Anlage. Am besten ist natürlich beides. So ist man gegen Ausfall geschützt und die wertvollen Wetter-Informationen sind auch mitten auf dem Atlantik verfügbar.
    • Um alle modernen Endgeräte im Hafen und in Küstennähe möglich komfortabel und einfach mit dem begehrten WIFI zu versorgen, braucht es einen Knotenpunkt, der die WLANs von Häfen, Restaurants und auch die Handynetze der umliegenden Masten möglichst aus großen Entfernungen empfangen und an Bord zur Verfügung stellen kann.
  • Navigation

    • Zur Orientierung bei schlechter Sicht und bei Nacht sind Radar und auch AIS wichtige Helfer, die die Sicherheit deutlich erhöhen.
    • Für die Navigation weltweit werden wir neben den Karten der verschiedenen Gebiete auch einen PC verwenden. Ein besonders sparsamer, fest verbauter Rechner ist deutlich flexibler als der sonst übliche Kartenplotter:
    • Hier laufen AIS-, Wetter-, Wasser- und Kartendaten zusammen und werden übersichtlich in einer skalierbaren Karte dargestellt.
    • Bei Kurswechseln und anderen Manövern kann ein automatisiertes Logbuch viel Schreiberei ersparen.
    • Die Kontrolle und Aufzeichnung von Schiffsdaten wie Füllmengen von Tanks, Krängung, Geschwindigkeit, Bordspannung, Wetterdaten kann hier zentral erfolgen.
    • Die Kurzwellenkommunikation über das ebenfalls einzubauende Paktor-Modem erfolgt über den Brodrechner.
    • Auch die Grib-Daten können hier ausgelesen und direkt in der entsprechenden Navigations-Software dargestellt werden.
  • Energie

    • Zur Stromerzeugung außerhalb von Häfen möchten wir einen Mix aus Solarpanels und einem Windgenerator. Fallen einmal beide Energielieferanten aus, soll ein zusätzlicher Diesel-Stromgenerator uns günstig mit Strom versorgen. Ein Dreizylinder-Generator verbraucht nämlich nur einen Liter Diesel pro Stunde. Die Antriebsmaschine hingegen je nach Typ drei bis acht.
    • Um die erzeugte Energie zuverlässig zu speichern sollte die Batterie-Kapazität einer Standard-Yacht auf jeden Fall erweitert werden!
  • Trinkwasser

    • Hier stehen wir vor der Wahl: Wasserflaschen oder -kanister schleppen oder Einbau eines Wassermachers mit Mineralisierungsanlage. Im Moment erachten wir den Wassermacher als die sinnvollere Lösung.
  • Lebensmittel

    • Für eine Atlantik-Überquerung rechnet man etwa drei Wochen. Für diese Zeit muss Proviant gebunkert und frisch gehalten werden.Wir brauchen also idealerweise eine Tiefkühl-Truhe für Gemüse und alles andere, was diese Zeit überdauern soll.
  • Sicherheit

    • Neben den üblichen Notfall-Signalmitteln brauchen wir für den Notfall Sicherheitswesten mit AIS-Sendern, Epirb und natürlich eine Rettungsinsel mit ausreichend Plätzen für alle Besatzungsmitglieder.
  • Alles andere

    • Sicher gibt es noch unzählige Dinge, die ich in der Aufzählung oben noch vergessen habe. Vielleicht möchten wir unsere Schlafsituation durch andere Matratzen mit neuem Unterbau verbessern? Sollen vielleicht noch weitere Schapps oder andere Lagermöglichkeiten eingebaut werden? Unter Umständen muss außen ein Träger für Antennen und andere Anbaugeräte angebracht werden? Maststufen?
      Viele Unwägbarkeiten die auf jeden Fall eins sind: Teuer!

Es bringt also nix, aufs Geratewohl ein Schiff zu kaufen, dessen Anschaffungspreis so gerade eben ins Budget passt und das Sparschwein dann für weitere Anschaffungen nur noch Ebbe anzeigt.

In den letzten Wochen haben wir also gelernt:

Für einen Katamaran, der unseren Anforderungen entspricht, ist unser Sparschwein bei Weitem zu klein.

Wünsche und Gedanken ordnen

Eine Neuorientierung stand also ins Haus. Gut, wenn man einen Blog oder einen Podcast zum Thema betreibt und so mit den wahren Experten im Kontakt ist.

In vielen Gesprächen während der letzten Wochen hat sich für unser Vorhaben nun ein neuer Fokus aufgetan:

Wir werden uns, dem Markt gehorchend, nun von dem Multihull-Konzept auf eine Monohull-Lösung verlegen. Das hat schlussendlich mehrere Vorteile:

  • Zuallererst ist ein Monohull mit vergleichbarer Kojen-Kapazität deutlich günstiger als ein Katamaran und passt so wahrscheinlicher in unser Budget.
  • Bei einigen Herstellern sind die Schiffe bereits von der Werft mit vielen Langfahrt-Optionen ausgestattet. So finden sich z.B. bei den französischen Herstellern Amel und Wauquiez oft Generator, Heißwasser-Boiler, Wassermacher, Waschmaschine, Radar, AIS und viele langfahrtspezifische Ausrüstungs- und Ausstattungsgegenstände bereits an Bord.
  • Ein Hafenplatz ist – auch mit einem großen Monohull – deutlich einfacher zu finden als mit einem Katamaran. Oft werden die großen Multihulls von Marinas sogar abgewiesen und falls sie doch einfahren dürfen, bezahlen sie sicher die doppelte Liegegebühr eines gleich langen Monos.
  • Die Auswahl an Gebrauchtbooten ist im Monohull-Markt um ein Vielfaches größer als bei den Katamaranen, die vielen auch heute noch als Exoten gelten.

So haben wir uns also entschlossen, unsere Pläne etwas zu ändern. Man muss flexibel bleiben, wenn man irgendwann los möchte. Und wir fahren 2020 los. So viel steht fest!

Mono! Weil’s irgendwie logisch ist.

Ach nein. Nicht unbedingt...

Ach nein. Nicht unbedingt…

Unsere Suche gilt also fortan einem Monohull. Am besten eine der oben beschriebenen Langfahrtyachten, die bereits einige wichtige Ausrüstungsteile an Bord haben.

Folgende Spezifikationen haben wir uns nach den jüngsten Erfahrungen überlegt:

  • Länge: zwischen 45 und 55 Fuß
  • Bauform: entweder Mittelcockpit oder Decksalon (Pilot Saloon). Diese beiden Formen überzeugen uns, denn der Aufenthaltsraum ist bei beiden Typen eher mittschiffs und so am ruhigsten Punkt, was entspannte Nachtwachen auch bei unruhiger See verspricht. Außerdem bietet ein Decksalon viel Helligkeit im Schiff und tagsüber eine gute Rundumsicht. Ein Mittelcockpit hingegen bietet viel geschützten Platz im Freien, da diese Yachten oft eine feste „Windschutzscheibe“ mit Dach haben.
    Viel mehr Wert legen wir auf eine robuste Bauart, sowohl innen als auch außen. Mit den modernen Charteryachten können wir nicht so viel anfangen. Zu dünn ist die Außenhaut, zu minderwertig scheint der Innenausbau mit empfindlichen Beschlägen und Pressspan-Möbeln.
  • Breite: eigentlich egal. Zwar läuft ein schlankes Boot schneller, aber wir haben keine Ambitionen, an einer Regatta teilzunehmen. Auf unserer Fahne steht „Genuss-Segler“ und das hat für uns nichts mit Geschwindigkeit zu tun.
  • Besegelung: Slup- oder Ketsch-getakelt. Wir wissen aber, dass man auch auf anderen Schiffen das Fahren lernen kann. Ist wahrscheinlich Geschmacksache und das sind eben die Typen, die wir bisher kennen gelernt haben. Von Vorteil wären sicher zwei Vorsegel mit Rollanlagen. Daneben bietet sich ein leichtes Vorwindsegel wie z.B. ein Parasailor für Vorwindkurse an.
  • Antrieb: ein robuster und handelsüblicher Diesel soll es sein, der stark genug ist für ein Schiff in der oben genannten Größe. Kein Exot. Die Ersatzteilversorgung sollte weltweit möglich sein.
  • Kabinen/Kojen: mindestens zwei Doppelkabinen, mindestens sechs Kojen. Wir wollen während unserer Fahrt unsere Familie, Freunde, Gäste und auch unsere Coaching-Klienten an Bord haben.
  • Steuerung: Ein Rad sollte schon im Steuerstand stehen. Ein direkt am Ruderquadrant angebrachter Autopilot ist toll und als materialschonend wurde uns eine Windfahnensteuerung empfohlen.
  • Sanitär: zwei Bäder. Eines für uns, eines für die Gäste. Wir wollen unseren Passagieren den Luxus eines eigenen Badezimmers bieten. Separate Dusche kann, muss aber nicht sein.
  • Technische Ausstattung: Gerne hätten wir im Endausbau folgende Dinge an Bord (sicher wird diese Liste in Zukunft weiter ergänzt oder auch an manchen Stellen reduziert):
    • Radar
    • AIS-Sender und -Empfänger
    • Navigation (kann aber eine einfache Lösung sein, die für Redundanz sorgt)
    • Rettungsinsel für 6 Personen
    • Solarpanels
    • Windgenerator
    • Kühlschrank
    • Gefrierschrank  (Ist gestrichen. Dank vieler wertvoller Hinweise und Kommentare auf diesen Post! Dankeschön, Ihr seid toll!)
    • 3-4 Flammen-Gasherd mit Backofen
    • Sitzgruppe für 6(+) Personen
    • möglichst viele Schapps
    • gut zugänglicher Motorraum mit Platz für Generator, Boiler, Energiemanagement
Die Amel Super Maramu ist ein schöner und langfahrttaugliche Monohull

Die Amel Super Maramu ist ein schöner und langfahrttauglicher Monohull

So. Das sind mal die Dinge, die wir uns in den letzten Wochen erarbeitet und erfahren haben. Was hältst Du davon? Hast Du einen Tipp für uns? Wo liegt unser Denkfehler? Oder sind wir auf einem guten Weg?

Bitte schreib uns doch hier in den Kommentaren mal, was Du von unseren Ideen hältst oder ob Du vielleicht sogar ein Schiff kennst, das in diesem Jahr zum Verkauf steht.

Wir bekommen wahnsinnig gerne Tipps und setzen sie dann auch gerne um.

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